Chronik

Untereisesheim
Chronik 2012

Kommunalpolitik

DAS beherrschende Thema des Jahres 2012, zumindest der ersten Jahreshälfte, war in Untereisesheim die Neuwahl des Bürgermeisters. Zunächst die trockenen Fakten:

Die erste (und letzte) Amtsperiode des umstrittenen Bürgermeisters Jens Uwe Bock endete am 31.05.2012. Außer ihm selbst bewarben sich Bernd Bordon (tätig im Jobcenter des Landratsamtes Heilbronn), Karl-Josef Greis (Kämmerer in Oedheim) und Ralph Matousek (Kämmerer in Jagsthausen). Im ersten Wahlgang am 11. März erhielt keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit. Im zweiten Wahlgang am 25. März wurde dann der dreißigjährige Bordon mit einfacher Mehrheit zum Bürgermeister gewählt ( Ergebnisse).

Nachdem die Streitigkeiten zwischen Gemeinderat und Bürgermeister Bock schon 2011 extrem eskaliert waren, reichte der Gemeinderat zwei Wochen vor der Wahl eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister ein, die später vom Landratsamt als unbegründet zurückgewiesen wurde. Bürgermeister Bock sah das als unzulässige Wahlbeeinflussung und klagte beim Verwaltungsgericht gegen den Ausgang der Wahl, bei der er nur eine beschämend geringe Stimmenzahl erhalten hatte. Bei der Verhandlung am Verwaltungsgericht Stuttgart im November 2012 zog Herr Bock nach Überzeugungsarbeit durch den Richter sein Klage dann zurück. Bernd Bordon konnte daraufhin im Januar 2013 endgültig als Bürgermeister vereidigt werden, nachdem er die Gemeindeverwaltung zunächst als Amtsverweser geleitet hatte. Zu den Einzelheiten des Wahlkampfs und den unschönen Begleitumständen gibt es von mir eine eigene Seite.

Gemeindefinanzen

Positiv stellte sich die finanzielle Lage der Gemeinde dar. Beim Haushaltsplan für das Jahr 2012 stieg das Volumen leicht von 10,4 (2011) auf 10,6 Millionen Euro. Neue Kredite waren nicht geplant, die Schulden gingen leicht von 1,4 auf 1,3 Millionen zurück. Der Plan sah als größten Einnahmenposten die Einkommensteuer mit 1,9 Millionen vor. Das meiste Geld (2,1 Millionen) gab die Gemeinde für ihr Personal aus. 0,45 Millionen sollten vom laufenden Haushalt in den Vermögenshaushalt überführt werden.

Die Erwartungen positiv übertroffen hat der Finanzabschluss des Jahres 2011. Statt der ursprünglich eingeplanten Entnahmen konnten 202 Tausend Euro den Rücklagen zugeführt werden. Die Nettoinvestitionsrate pro Einwohner lag bei 254 Euro.

Schließlich wurde auf der letzten Gemeinderatssitzung im Dezember auch noch der Haushaltsplan für 2013 verabschiedet. Im Verwaltungshaushalt waren 9,05 Mio € und im Vermögenshaushalt 2,61 Mio € vorgesehen.

Ferne Umgehung

Im Herbst wallte das Thema Umgehungsstraße nochmals kurz aber heftig auf. Auslöser war eine Initiative der Stadt Heilbronn, die an ihrem Gewerbegebiet Böllinger Höfe einen Autobahnanschluss haben möchte. Um für die Forderung Verbündete zu gewinnen, kam man auf die Idee, von dieser neuen Anschlussstelle eine Verbindung zur früher mal geplanten Umgehungsstraße von Wimpfen vorzuschlagen. Der Verkehr könnte dann von der B27 über die Neckarbrücke bei Wimpfen, dann hinauf auf die Höhe und dort direkt hinüber ins Tal des Böllinger Bachs fließen. Im Auftrag der vier Gemeinden Heilbronn, Neckarsulm, Bad Wimpfen und Untereisesheim erarbeitete ein Planungsbüro drei Varianten: westlich am Dornet-Wald vorbei, mitten durch ihn hindurch und östlich drumherum. Diese Umfahrung würde also schon sehr fern an Untereisesheim vorbeiführen, dessen Markung überhaupt nicht berührt würde. Sofort erhob sich ein großer Chor von Gegenstimmen in Bürgerschaft und Gemeinderäten (in anderen Kommunen, nicht in Untereisesheim), und die Idee verschwand umgehend wieder in der Versenkung, da sowieso keinerlei Aussicht bestand, dafür Geld zu bekommen.

Wasser und Abwasser

2008 wurde die Technik der gemeindeeigenen Wasserversorgungsanlagen gründlich modernisiert. In diesem Jahr wurde es nötig, bauliche Schäden zu reparieren, z.B. Risse in der Wand eines Quellschachtes sowie Mängel am der Pumpstation, beides in der Nähe des Züchterheims im Gewann Schleckenbrünnle.

In diesem Jahr wurde erstmals die Abwassergebühr nach dem neuen Verfahren berechnet, getrennt nach Schmutzwasser (1,66 € pro Kubikmeter) und Niederschlagswasser (0,36 € pro Quadratmeter versiegelter Fläche). Die Abrechnung für die Jahre 2010 und 2011 erfolgte rückwirkend zu geringfügig anderen Gebührensätzen.

Strom- und Gasversorgung

Traditionell ist die Süwag AG (füher Kawag, jetzt Tochter von RWE) für die Versorgung von Untereisesheim mit Strom und Gas zuständig. Die Konzessionsverträge, die die Nutzung öffentlichen Geländes, z.B. der Straßen, für die Leitungen regeln, liefen Ende 2012 aus. Ohne große Diskussion stimmte der Gemeinderat im Herbst einer Verlängerung zu.

Im Oktober genehmigte der Gemeinderat dann auch, dass sich die Gemeinde mit 320 000 € an der KAWAG AG & Co. KG beteiligt. Diese Strom-Netzgesellschaft hat nichts mit dem früheren Energieversorger zu tun, sondern greift nur den alten Namen auf. Es handelt sich um eine Tochtergesellschaft der Süwag, an der sich die Gemeinden aus dem Neckarraum mit einer Mehrheit von 51 % beteiligen können. Die Interessen der Gemeinden nimmt dabei der Neckar-Elektrizitätsverband (NEV) wahr, dem 176 Gemeinden angehören.

Letzte Ruhe

Etwa 70% betrug 2012 der Anteil an Feuerbestattungen. Zunehmend wurden auch die nüchtern gestalteten Urnenwände genutzt. Inzwischen waren es drei Stück mit je 21 Kammern. Auf dem Friedhof gab es also viel freien Platz und damit die Möglichkeit, sich über die Gestaltung und Bepflanzung Gedanken zu machen. Zu diesem Zweck wurde gegen Ende des Jahres ein Landschaftsplaner beauftragt.

Bürgerbefragung

2000 Fragebogen mit 39 Fragen verschickte die Gemeinde kurz vor Jahresende an ausgewählte Untereisesheimer, um sich ein Bild darüber zu machen, wie sich die Bürger die Zukunft des Ortes vorstellen. Ein Planungsbüro wurde beauftragt, daraus ein Entwicklungskonzept "Untereisesheim 2030" zu erstellen.

Bürgerproteste

Einen Spielplatz in der Breslauer Straße wollte die Gemeinde wegen geringer Nutzung stillegen und als Bauplatz verkaufen. Dagegen erhob sich Anfang des Jahres ein Sturm der Empörung, der Gemeindeverwaltung und Gemeinderat überraschte. Man vertagte das Thema bis nach der Bürgermeisterwahl, gab dann klein bei, und beschloss, den Spielplatz zu lassen und mehr in Richtung einer Begegnungsstelle von Alt und Jung zu entwickeln. Die Bürger brachten den guten Vorsatz mit ein, sich an der Pflege des Platzes zu beteiligen.

Proteste gab es im Frühjahr auch im Neubaugebiet Schafbuckel gegen ein geplantes Dreifamilienhaus. Auf den bereits bebauten Nachbargrundstücken standen durchweg Einfamilien- oder Doppelhäuser. Der Bauträger wies darauf hin, dass bereits mehrere ähnlich Gebäude im Baugebiet standen, bei denen Ausnahmegenehmigungen vom Bebauungsplan problemlos erteilt worden waren. Der Gemeinderat wollte aber jetzt einen Riegel vorschieben, wurde jedoch vom Landratsamt auf seine Grenzen hingewiesen. Letztendlich für die Baugenehmigung zuständig ist nämlich das Landratsamt. Dort erklärte man der Zeitung im August, der Bauherr müsse noch einige Änderungen vornehmen, grundsätzlich erlaube es der bestehende Bebauungsplan aber nicht, den Bau des Gebäudes abzulehnen. Die Gemeinde äußerte daraufhin die Absicht, den Bebauungsplan 2013 zu ändern. Der Bauträger gab im Herbst das Bauvorhaben dann von sich aus auf.

Ganz ähnliche Situation im Oktober: Auch in der Neckarstraße protestieren die Anwohner gegen ein geplantes Sechsfamilienhaus, das eine Baulücke schließen sollte. Da aber alle Vorgaben des seit 2003 bestehenden Bebauungsplans eingehalten wurden, sah die Gemeinde auch hier keine Möglichkeit, den Bau zu verhindern.

TSV-Sportheim

Große Pläne präsentierte der Vorstand des Turn- und Sportvereins auf der Hauptversammlung Ende März: Für 240 000 € sollte das Vereinsheim beim Sportplatz im Neckartal um eine Etage aufgestockt werden, um neue Sanitär- und Umkleideräume zu schaffen, da die seitherigen in katastrophalem Zustand seien. 96 000 € sollte die Gemeinde zuschießen. 50 der 833 Mitglieder waren gekommen, und die stimmten mit überwältigender Mehrheit für den Plan.

Im September beschloss der Gemeinderat dann, den Verein mehr als großzügig zu unterstützen: 64 000 € Zuschuss, 90 000 € Darlehen zu 1,5% auf 20 Jahre, 40 000 € Vorfinanzierung eines vom Landessportbund erwarteten Darlehens.

TSV-Fußball

Nur äußerst knapp verpasste die Fußballmannschaft des TSV Untereisesheim im April die Meisterschaft in der Kreisklasse A2, nachdem sie lange Zeit Tabellenführer gewesen war. Im allerletzten Spiel der Saison kassierte man allerdings buchstäblich in letzter Sekunde bei der SGM Stein/Kochertürn noch ein entscheidendes Gegentor. Die SGM hatte damit zwar den gleichen Punktestand wie Untereisesheim, aber ein besseres Torverhältnis, wurde Meister und stieg automatisch in die Bezirksliga auf. Die TSV-Mannschaft musste Anfang Juni ein Relegationsspiel gegen Erlenbach/Binswangen bestreiten. Diesmal war das Glück auf Seite der Untereisesheimer, sie gewannen und stiegen doch noch in die Bezirksliga auf. Dort Punkte zu sammeln erwies sich allerdings als schwierig. Man lag Ende des Jahres recht hoffnungslos auf dem letzten Tabellenplatz.

VHS Untereisesheim

Einen Wellness-Tag nur für Frauen bot die Volkshochschule aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der VHS Unterland im April in der Frankenhalle an: Zumba, Yoga, Anti-Stress-Training, Dufttherapie ...

Nachbarschaftshilfe

Nach 21 Jahren gab Friedlinde de Mattia die Leitung der Nachbarschafthilfe Ende August ab. Nachfolgerin wurde Karin Illg. Die Nachbarschaftshilfe wird von der evangelischen Kirchengemeinde getragen und unterstützt Senioren bei alltäglichen Verrichtungen, die nicht durch Pflegedienste und die Sozialstation abgedeckt sind.

Bäckertradition

Seit mindestens 1747 gibt es die Bäckerei Kolb in der Neckarstraße. Rainer Kolb führt den Betrieb in zehnter Generation, wie in der Zeitung zu lesen war.

Rektorin in Ruhestand

Elisabeth Szirniks, seit 2002 Rektorin der Grundschule in Untereisesheim, wurde im Juli mit einer Feierstunde in der Frankenhalle in den Ruhestand verabschiedet. Die Wiederbesetzung der Stell verzögerte sich aufgrund von Problemen im Regierungspäsidium ungewöhnlich lange. Noch Ende des Jahres war die Schule ohne Rektor.

Internet-Nazis

Im Rahmen einer deutschlandweiten Aktion gegen im Internet aktive Nazis wurde im Juni eine 30jährige Hausfrau und Mutter aus Untereisesheim festgenommen. Sie sollte eine der Hauptverantwortlichen für den Betrieb des rechtsradikalen Internet-Forums www.thiazi.net gewesen sein. Da keine Fluchtgefahr bestand, wurde sie nach wenigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Aus dem Polizeibericht

Ja, über ein paar Gesetzesverstöße in Untereisesheim wurde auch in der Zeitung berichtet.

Im Juni wurde an einem Auto, das an der Sporthalle geparkt war, eine Scheibe eingeschlagen und eine Handtasche entwendet. Im August das gleiche Spiel in der Weststraße, wo beobachtet wurde, wie der Täter mit dem Fahrrad floh.

Im Juli richteten Unbekannte in und an der Grundschule, die gerade umgebaut wurde, durch Vandalismus einen Sachschaden von 5000 Euro an.

Im Oktober kam 200 m vor dem Ortseingang aus Richtung Wimpfen ein junger, alkoholisierter Autofahrer von der Fahrbahn ab und überschlug sich mehrmals, wurde aber nur leicht verletzt. Ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten sorgte für ein spektakuläres Blaulicht-Schauspiel in der abendlichen Dunkelheit. Die Straße war über eine Stunde gesperrt.

Im Dezember entwendete ein Einbrecher in der Brunnenstraße einen kleinen Tresor.



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